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Terrorist Wilhelm Tell? Wie 9/11-Attentäter Mohammed Atta u. Fritz Leibacher in Zug
#1
gaga 
Regisseur Samuel Schwarz macht aus dem Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell einen Terroristen. Er vergleicht Wilhelm Tell mit dem Zuger Amokläufer Fritz Leibacher und dem 9/11 New York Attentäter Mohammed Atta welche in die Türme des World Trade Centers geflogen ist.

SF.TV

da hätte Obelix wohl gesagt: "Die spinnen wohl die Römer!"Gaga

Ein bisschen Werbung soll sein...
Regisseur Samuel Schwarz provoziert mit seiner Wilhelm Tell Inszenierung im Theater in St. Gallen wo am 29.Sept.06 die Premiere aufgeführt wird.
Theater St.Gallen

Da kommt mir spontan folgendes Zitat in den Sinn das ich letzthin gelesen habe:
Kunst machen jene Leute,
die man sonst nicht brauchen kann ....


cu Tell
http://www.Tell.ch      .:/ und ewig grüsst der Gessler \ :.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren!
"Man wisse zwar nicht ob Wilhelm Tell gelebt habe,
aber dass er den Gessler erschossen habe, stehe fest!" by Hans Weigel
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#2
Ich gehe mit Dir einig, dass man die Frage nach dem Spinnen stellen darf. Ich finde es aber hart, einfach zu sagen, Kunst machten jene Leute, die man sonst nicht brauchen kann. Wenn Du «brauchen» sagst, meinst Du, dass Du sie gebrauchen, benützen kannst oder oder sonst jemand sie ausbeuten kann? Schillers Tell ist ebenso Kunst! Dann bist Du wohl am falschen Platz in diesem Forum, weil hier auf einem Boden diskutiert wird, der durch Kunst geschaffen wurde.

Aber ich habe noch eine Frage an Dich: Hast Du die Akten F. L. gesehen und gelesen?

– Weisst Du, ob der Zuger Vogt den F. L. so geplagt hatte wie die Vögte den W. T.? Mir fällt auf, dass F. L. eigens von Zürich nach Zug fuhr (1 Stunde) und nicht beliebig Amok lief, sondern zielgerichtet an dem Ort handelte, an dem er vielleicht Machinaden vermutete und sich dort ja tatsächlich die Leute periodisch treffen, die das Öffentliche Leben bestimmen, d. h. Leuten Verfahren anhängen und sie davon befreien, Güter verteilen, beliebig wegnehmen usw.. Ich verurteile die Tat und lehne sie ab. Aber für F. L. muss der Kern des Problems in Zug gelegen haben, sonst hätte er ja an einem beliebigen Ort zuschlagen können. Damit will ich F. L.’s Tat aber nicht rechtfertigen. - Unterschied zu Tell: Tell handelte in der Hohlen Gasse aus dem Hinterhalt (meint: feige, er hätte Gessler auch gleich erschiessen können, statt die Pfeile noch im Köcher zu lassen).
– Kannst Du dem Untersuchungsbericht des UR Schwitter Glauben schenken, bevor Du nicht jene Akten gelesen hast? Warum dauerte es mehr als 1 Jahr, bis bekanntgemacht wurde, welche Kugel den Tod F. L.’s auslöste?
– Lasest Du die Sage Schillers einmal genau und wandtest Du sie praktisch an?

Wie erinnerlich, gab es den Rütlischwur. Folgte jemand den dreien? Nein! -
Dann wurde der König von seinem Enkel in Königsfelden umgelegt.
Erst als der Herrscher weg war, folgten die Eidgenossen neuen Herrschern, angeblich aus dem Volk (Volksherrschaft). Die Helvetier waren also insgesamt zu feige, den Eidern vom Rütli zu folgen, solange der Unterdrückung ausübende König noch lebte. Sie wollten zu erst sicher sein, dass ihnen von da her kein Ungemach drohen konnte.

Und denkst Du jetzt immer noch, die Eidgenossen fühlten sich frei?

Gestern fragte mich einer: Kennst Du die Auswirkung der französischen Revolution? Ich antwortete mit dem Zitat: Dies zu beurteilen, ist noch zu früh.

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#3
Smile 
Gallier schrieb:Ich gehe mit Dir einig, dass man die Frage nach dem Spinnen stellen darf. Ich finde es aber hart, einfach zu sagen, Kunst machten jene Leute, die man sonst nicht brauchen kann. Wenn Du «brauchen» sagst, meinst Du, dass Du sie gebrauchen, benützen kannst oder oder sonst jemand sie ausbeuten kann? Schillers Tell ist ebenso Kunst! Dann bist Du wohl am falschen Platz in diesem Forum, weil hier auf einem Boden diskutiert wird, der durch Kunst geschaffen wurde.
Unter "brauchen" interpretiere ich - Leute (Künstler) die der Gesellschaft nichts bringen.... Bringen den Künstler der Gesellschaft im heutigen Sinn (Marktwirtschaft) wirklich einen grossen Mehrwert. Eine politische Unruhe vielleicht (oder ganz sicher) aber einen Mehrwert marktwirtschaftlich gesehen sicher nicht....
Da ist jeder Büzer der in der Grube "schaufelt und pickelt" für die Gesellschaft nützlicher.
Aber das ist glaub ich halt eine philosophische Frage, welche ich zumindest nicht beantworten kann?
Gallier schrieb:Aber ich habe noch eine Frage an Dich: Hast Du die Akten F. L. gesehen und gelesen?
Hab das Schriftstück leider nie zum lesen vor mir gehabt. Würde mich aber wirklich auch interessieren. Wenn Du oder jemand sonst einen Link findet wo das nachzulesen ist, bitte hier posten.

cu Tell


http://www.Tell.ch      .:/ und ewig grüsst der Gessler \ :.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren!
"Man wisse zwar nicht ob Wilhelm Tell gelebt habe,
aber dass er den Gessler erschossen habe, stehe fest!" by Hans Weigel
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#4
Lieber Admin

Du schreibst:
sinngemäss seien Leute, die der Gesellschaft nichts bringen, also keinen marktwirtschaftlichen Nutzen abwerfen, höchstens gesellschaftliche Unruhe stiften, nichts wert.
Schiller wäre also gescheiter in den Graben pickeln gegangen als Tell zu schreiben. Du haust alle Krankenschwestern, Leichenbestatter, Autodesigner in die Pfanne, weil sie nämlich marktwirtschaftlich auch nichts Unmittelbares bringen.
Wie kannst Du dann ein Tell-Forum administrieren, geschweige denn betreiben, wenn der Verfasser Tells ein Invalider (in valid = nichts wertig) war?

Du schreibst:
«Da ist jeder Büzer der in der Grube "schaufelt und pickelt" für die Gesellschaft nützlicher. »

Da heisst, was Du in diesem Forum machst und das Forum an sich, ist für die Gesellschaft völlig wertlos:
1. weil Schillers Kunst, nämlich das Gebilde Tell, ohne marktwirtschaftlichen Wert und Nutzen ist und Du es trotzdem zur Grundlage der Auseinandersetzung nimmst, und
2. weil Du selber, solange Du hier im Forum rumtöggelst statt zu pickeln, der Marktwirtschaft nichts bringst und stattdessen nur Strom verbrauchst und andere aufregst.

Aber offenbar schreibst Du hier Zeug, ohne Dich im geringsten mit der Materie auseinanderzusetzen. Zu diesem Zweck machst Du Dir die Pressefreiheit und die Äusserungsfreiheit zu Nutzen. Die Juristen, die diese Rechte ersonnen haben, pickelten übrigens auch nicht im Graben. Trotzdem haben sie Dir offenbar etwas gebracht, nämlich das Recht und die Möglichkeit, Dich zu äussern.

-----

Auf welchem Niveau bewegt sich dieses Forum nur? Gott, auf was habe ich mich eingelassen! Du verlangst einen Link für Dokumente zu posten, die dem Amtsgeheimnis unterworfen sind.

Du lehnst ja einen Vergleich zwischen F. L. und Tell ab. Wenn Du das machst, musst Du die Akten F. L.’s, bzw. das Stück Tells gelesen und studiert und verglichen haben. Wie willst Du sonst den Vergleich ablehnen?

Du kommst mir ein bisschen vor die der subalterne Ehegatte der Silvia Blocher, Christoph Blocher, der sich in vielem auch keine eigene Meinung macht, sondern offenbar das macht, was sie ihm für richtig vorplappert. Wer ist dort eigentlich der Mann im Haus und wer ist die Frau im Haus? Jedenfalls ist die Frau auch nicht in der Lage den Haushalt selber zu machen, sonst müsste sie keine ausländische Hausangestellte haben. Aber dafür sind ja Ausländer gerade recht genug!
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#5
Smile 
Hallo Gallier
Danke mal für Dein ausführliches Posting.
Imo verdrehst Du mir hier meine Worte im Mund und biegst diese dann in deinem Sinne. Nun gut dasselbe mache ich ja auch. Es lebe die Juristen in unserm Staate....
Gallier schrieb:Du schreibst:
sinngemäss seien Leute, die der Gesellschaft nichts bringen, also keinen marktwirtschaftlichen Nutzen abwerfen, höchstens gesellschaftliche Unruhe stiften, nichts wert.
Schiller wäre also gescheiter in den Graben pickeln gegangen als Tell zu schreiben. Du haust alle Krankenschwestern, Leichenbestatter, Autodesigner in die Pfanne, weil sie nämlich marktwirtschaftlich auch nichts Unmittelbares bringen.
Wie kannst Du dann ein Tell-Forum administrieren, geschweige denn betreiben, wenn der Verfasser Tells ein Invalider (in valid = nichts wertig) war?
Wie schon oben geschrieben. Dies ist deine Interpretation.
Alle von Dir aufgezählten Berufe sind gesellschaftlich nützlich und haben nichts mit Kunst zu tun. Und um Kunst (Regisseur Samuel Schwarz Interpretierung von Wilhelm Tell) geht es nun mal in meinem Posting.
Mein Lebensinhalt ist schliesslich nicht Kunst (Gott behüte mich). Dieses Forum ist eine Freizeitbeschäftigung, im Volksmund auch Hobby genannt und nicht mein Hauptlebensinhalt.
Wilhelm Tell als solches ist wohl eine der faszinierernsten Figuren der Schweizer Geschichte. Ob er je gelebt hat sei dahingestellt. Für mich ist dies Grund genug dieses Forum zu betreiben.

Gallier schrieb:Du schreibst:
«Da ist jeder Büzer der in der Grube "schaufelt und pickelt" für die Gesellschaft nützlicher. »

Da heisst, was Du in diesem Forum machst und das Forum an sich, ist für die Gesellschaft völlig wertlos:
1. weil Schillers Kunst, nämlich das Gebilde Tell, ohne marktwirtschaftlichen Wert und Nutzen ist und Du es trotzdem zur Grundlage der Auseinandersetzung nimmst, und
2. weil Du selber, solange Du hier im Forum rumtöggelst statt zu pickeln, der Marktwirtschaft nichts bringst und stattdessen nur Strom verbrauchst und andere aufregst.

Aber offenbar schreibst Du hier Zeug, ohne Dich im geringsten mit der Materie auseinanderzusetzen. Zu diesem Zweck machst Du Dir die Pressefreiheit und die Äusserungsfreiheit zu Nutzen. Die Juristen, die diese Rechte ersonnen haben, pickelten übrigens auch nicht im Graben. Trotzdem haben sie Dir offenbar etwas gebracht, nämlich das Recht und die Möglichkeit, Dich zu äussern.

Nun ja, da muss ich jetzt ein wenig schmunzeln. Juristen sind die wirklich Nützlich? Da kann sich jeder seine eigene Gedanken machen. Wink
Presse und Redefreiheit werden doch genau von diesen Juristen immer wieder aufs Glatteis geführt und mit Maulkorb belegt.... Maulzu . Sagt der Volksmund nicht auch "Rechtsverdreher" zu diesem Beruf? Recht sprechen und Recht haben sind zwei ganz verschiedene Dinger. Das solltest du ja wohl auch wissen Question

Gallier schrieb:Auf welchem Niveau bewegt sich dieses Forum nur? Gott, auf was habe ich mich eingelassen! Du verlangst einen Link für Dokumente zu posten, die dem Amtsgeheimnis unterworfen sind.
Amtsgeheimis blabla --- Wer hat denn diese Aspeckte vom Fall Leihbacher aufgeworfen – das warst ja wohl Du selber!


Gallier schrieb:Du lehnst ja einen Vergleich zwischen F. L. und Tell ab. Wenn Du das machst, musst Du die Akten F. L.’s, bzw. das Stück Tells gelesen und studiert und verglichen haben. Wie willst Du sonst den Vergleich ablehnen?
Du scheinst mir die Geschichte von Wilhelm Tell nur über die Ferse vom deutschen Dichter Schiller zu interpretieren. Nun Wilhelm Tell existiert auch ohne Friedrich Schiller. Wenngleich nicht abzustreiten ist, das Schiller’s Erzählung hauptsächlich dazu beigetragen hat das jeder Schweizer den Freiheitshelden Wilhelm Tell kennt.

Gallier schrieb:Du kommst mir ein bisschen vor die der subalterne Ehegatte der Silvia Blocher, Christoph Blocher, der sich in vielem auch keine eigene Meinung macht, sondern offenbar das macht, was sie ihm für richtig vorplappert. Wer ist dort eigentlich der Mann im Haus und wer ist die Frau im Haus? Jedenfalls ist die Frau auch nicht in der Lage den Haushalt selber zu machen, sonst müsste sie keine ausländische Hausangestellte haben. Aber dafür sind ja Ausländer gerade recht genug!
Ich komm mir ein wenig geschmeichelt vor - mit Christoph Blocher verglichen zu werden. Das nehme ich jetzt als Kompliment auf.

In diesem Sinne Thumbsup

Cu Tell

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aber dass er den Gessler erschossen habe, stehe fest!" by Hans Weigel
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#6
Du hast eine fantastische Ahnung!

Alle von Dir aufgezählten Berufe sind gesellschaftlich nützlich und haben nichts mit Kunst zu tun. Und um Kunst (Regisseur Samuel Schwarz Interpretierung von Wilhelm Tell) geht es nun mal in meinem Posting.

Es geht also um Kunst?! – Der Autodesigner ist dem Regisseur absolut gleichgestellt. Der eine inszeniert ein Theaterstück, der andere ein Fahrgefühl. Beides ist aus dem gleichen geistigen Material gewoben. Es ist die Umsetzung einer Vorstellung darüber, wie etwas formal mit Blech, bzw mit Bühnenbild und Menschen dargestellt werden kann.

Zuletzt verwahre ich mich gegen die Unterstellung, ich verdrehte Dir die Aussagen.

Das war mein letztes Posting. Geh zu Blocher!
Antworten
#7
Hier noch ein ganz aktueller Fernsehtipp zum Topic von diesem Thread.

5 Jahre danach - Das Attentat von Friedrich Leibacher in Zug wird in der Sendung Dok vom Schweizer Fernsehen behandelt.

Zitat aus dem Vorspann der Sendung:
"Am Donnerstag des 27. September 2001 erschiesst Friedrich Leibacher im Zuger Regierungsgebäude wahllos 14 Politiker. Es ist der schlimmste Massenmord in der Schweizer Kriminalgeschichte."
Ende Zitat.

Donnerstag, 21.09.2006, 20:00 Uhr auf SF1
Wiederholungen:
Freitag, 22. September 2006 um ca. 02.55 Uhr auf SFeins
Freitag, 22. September 2006 um ca. 11.00 Uhr auf SFeins
Sonntag, 1. Oktober 2006 um ca. 10.30 Uhr auf SFzwei

cu Tell
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aber dass er den Gessler erschossen habe, stehe fest!" by Hans Weigel
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#8
arrowyellow 
Gallier schrieb:Aber ich habe noch eine Frage an Dich: Hast Du die Akten F. L. gesehen und gelesen?
Und hier hab ich auch gleich noch den Link gefunden mit dem
Untersuchungsrichterlicher Bericht zum schrecklichen Attentat von Friedrich Leihbacher in Zug

Muss wirklich schrecklich gewesen sein, für die Anwesenden dort im Kantonsrat Saal im Zuger Regierungsgebäude.

cu Tell
http://www.Tell.ch      .:/ und ewig grüsst der Gessler \ :.
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aber dass er den Gessler erschossen habe, stehe fest!" by Hans Weigel
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#9
Nun hoffe ich, Admin sei an der Tell-Premiere in St. Gallen heute Abend gesehen worden. Gallier sass jedenfalls im Publikum. Die erwarteten Proteste sind ausgeblieben, weil durch die Szenerie klar und prägnant dargestellt ist, dass es keinen Zweifel an der Analogie von Tell, Leibacher, Atta und anderen Akteuren gibt. Dies wird auch durch ein durchdachtes Bühnenbild unterstützt.

Wie im Tell von Schiller gibt es da die obrigkeitlich bis aufs Blut gequälten Bürger, die Freiheitsrechte begehren, aber für alles stets zu feige sind und insbesondere nichts für die Behauptung ihres territoralen Besitzes einsetzen wollen. Sie jammern lieber und singen primitive Lieder. Wer Land will, muss es auch verteidigen können und wollen.

Das Gefeilsche, ob der nach einem Vogts-Totschlag durch Soldaten Verfolgte gerettet werden solle.... Unglaublich! — Nachdem der Arme seine Geschichte auf Verlangen erzählt hatte, liessen ihn alle fallen wie eine heisse Kartoffel, ausser Tell.

Der Tod Gesslers wurde in der Vorstellung durch einen Feigling von hinten mit einem Messer herbeigeführt, inmitten einer sadistischen Quälerei, die Gessler diesmal einer Frau angetan hatte, nachdem er zuvor schon Tell geniesserisch bis auf Blut gereizt hatte (Lies Tell von Schiller [Gift in der Milch]).

Die Art der Lebensbeendung des Gesslers kontrastiert zwischen Tell und Leibacher, und dies macht Samuel Schwarz in der Inszenierung zu recht deutlich.
Leibacher versteckte sich nicht. Schwarz liess den Rachenehmer auf der Bühne eine Weste mit der Aufschrift «Polizei» tragen, wie sie Leibacher anhatte, was nur als Ordnungsmachen-Symbol gedeutet werden kann (Vgl. Bemerkung zum Heimweg weiter unten). Die Identität Leibacher ist der einzige Erfolg der Zuger Regierung: Sie verwandelte dank dieser sein Vermögen in ihre Beute und ebenso inkorporierte sie seine Persönlichkeit, um über ihn triumphieren und ihn brandmarken zu können. Damit ist je nach dem ausgesagt: Zug hat nichts gelernt oder Leibachers Aktion war umsonst. Zumindest ist der Held nicht zum Zeitpunkt seines Todes oder seiner Tat ein Held, sondern wird es erst viel später, wenn viele Fakten verklärt sind.

In Zug ist man jedoch der Meinung, es fehle an der Analogie zwischen Leibacher und Tell. Die Begründung lautet, Gessler habe sagen können «Das war Tells Geschoss». In Zug sei dies nicht möglich gewesen. In der Tat wurden mehrere Bürger vermutet! Das zeigt aber nur, dass die Staatsmaschinerie Zug mehrere Leute aufs Blut gereizt hat. Und insbesondere zeigt es: Die Provokateure wissen ganz genau, wenn sie die Milch frommer Denkart in «gärend Drachengift» verwandeln.

Noch etwas ist zu bedenken: Statistisch gesehen hätte die Schweiz gemessen an der Einwohnerzahl 100 Leibachers, wenn die Machtverhältnisse, die Solidarität unter den Herrschervasallen und die Demütigungslust im ganzen Land so gross wären wie im Kanton Zug. Für eine Essenseinladung mit Gattin von Herrn Regierungsrat Hanspeter Uster pro Jahr fühlt sich der Redaktor Karl Etter (lic. phil.) der dortigen Neuer Zuger Zeitung mit dem Magristraten so inniglich kollegialisiert und verbunden, dass er sich ganz still verhält. Damit ist die Kritikfunktion der Presse als eines der Ventile für Ohnmacht ausser Kraft gesetzt. Am Ende zahlen diese Korruption einige mit dem Leben — aber die Schuld wird auf den Täter transponiert. Die wahren Verursacher sucht man unter den Beschuldigten vergebens.

Auch Tells Aktion war übrigens umsonst. Die Schweizer schlossen sich den drei Staatsgründern, die sich – ach und pfui — nur im Dunkeln treffen konnten, erst, nachdem der König in Königsfelden gekillt war. Die Inszenierung hat dieses Treffen im Dunkeln ganz gut herausgearbeitet.

Die Aufführung im Stadttheater St. Gallen zeigt klar, dass Tells-Taten nicht losgelöst von der vorherigen rücksichtslosen Behandlung durch Machtträger und deren Repräsentanten (Regierende, Soldaten, Polizisten) betrachtet werden können, sei es in der Schweiz, in Irak oder in Afghanistan. Arroganz der Macht rächt sich irgendwann.

Auf meinem Heimweg: Autobahn. Eine PW fährt provokativ 115 km/h. Wir bleiben dahinter. Ein Dritter überholt etwas zügig. Weiter vorne: orange blinkende Lampen auf POLIZEI-Triopanen vor dem Rastplatz. «Aha». Der Überholer wurde in den Rastplatz reingelotst und strassenverkehrspolizeilich behandelt. War es Provokation?! Wie auch? Prävention! So nimmt wieder ein Kreislauf seinen Anfang. Irgendwann ist der betroffene Autofahrer vielleicht so weit, dass er die Welt nicht mehr versteht und sich unterhalb der Obrigkeit ganz unten wähnt. Dann Gnade Gott und Vaterland. Am Himmel stoht es Schtärndli znacht.

Die in der Schule weitergegebene Tells-Geschichte ist insofern problematisch. Wer die Inszenierung gesehen hat und Tell nur als das Anker-Bildli – stolz mit seinem Sohn und der Armbrust – in Erinnerung hat, wird sich im Stadtthetaer St. Gallen geprellt fühlen. Die Bühne zeigt einen gepeinigten und gedemütigten Tell, der Rache schwört, aber auch weiss, dass er sich auf keinen einzigen Eidgenossen wird verlassen können, weil alle zu feige sind. Wohl deshalb wählt er die anonyme Tat und schiesst in der Hohlen Gasse hinter einem Strauch hervor.

Erwünscht wären deutlichere, teils auch stärker bildgestaltende Sprecher.
Antworten
#10
lamp 
Hallo Gallier
Danke mal für Deinen ausführlichen Bericht und Kommentar zur Wilhelm Tell Aufführung in St.Gallen.
Ich habe Dein Posting als sehr interessant empfunden. Ich meine - wenn man hinter die Zeilen liesst – muss dein Posting wirklich zum Nachdenken anregen.

Ich hoffe nur viele unserer Beamten haben vielleicht in Anbetracht des Zuger Attentates etwas dazugelernt.

Ein kleiner Leibacher steckt doch in jedem von uns. Wenn man bedenkt, das 100 Leibachers in der Schweiz frei rumlaufen (gemäss deinem Posting), wird Mir ja ganz bange. Vor allem die Beamten und Regierungsstellen sollten sich dessen viel mehr bewusst sein.

Das einzelne Urteil, die einzelne Schikane, Verfügung, Strafe, Verbot, usw. ergibt im Falle von Friedrich Leibacher keinen Sinn für einen solchen Terrorakt. Aber die Summe aller Demütigungen und das Anrennen gegen Windmühlen haben bei Leibacher allmählich das Fass zum Überlaufen gebracht.
Im nachhinein die ganze Schuld (wie geschehen) auf Fritz Leibacher abzuwälzen ist dann ein Leichtes. Ein Selbstmörder kann sich bekanntlich nicht mehr wehren... Aber wie heisst es in einem Sprichwort sinngemäss: Die Geschichte schreiben immer die Sieger
Damit will ich Leibachers Selbstjustiz nicht gutheissen. Aber Leibachers Terrorakt zeigt die Ohnmacht mit welcher sich einfache Bürger gegen den Justizapparat und den Paragraphen Dschungel verloren und verraten vorkommen ganz deutlich auf.

Die Selbstjustiz von Friedrich Leibacher ist deshalb mit der Tötung Gesslers in der Wilhelm Tell Geschichte durchaus ein wenig vergleichbar.

cu Tell
http://www.Tell.ch      .:/ und ewig grüsst der Gessler \ :.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren!
"Man wisse zwar nicht ob Wilhelm Tell gelebt habe,
aber dass er den Gessler erschossen habe, stehe fest!" by Hans Weigel
Antworten
#11
So kannst Du nach Deiner Einsicht nun das bescheuerte Zitat Hans Weigel löschen.

Ich meine nicht, dass es derzeit 100 Tells gibt in der Schweiz, sondern dass es 100 sein müssten, wenn die anderen Staatsapparate auch so wären wie der Apparat von Zug.
Antworten


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